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Archiv der Kategorie Erneuerbare
Der schmutzige Atom-Deal
16.9.2010 von Christian Flöter.
Stellen Sie sich vor: Sie haben ein Auto, das mit 36 Jahren sowohl technisch als auch optisch deutlich in die Jahre gekommen ist. Jetzt steht wieder einmal der TÜV an und Sie wissen, dass Sie erheblich nachrüsten müssen: Sicherheitsgurte, Airbag, neue Bremsen usw. Aber Sie fahren ohne Sorgen zum TÜV, denn Sie haben einen Vertrag mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ihnen garantiert, dass alles was über 500 € hinausgeht von der Bundesregierung bezahlt wird.
Diese Vorstellung ist natürlich völlig absurd, jedenfalls was Autos betrifft. Sind Sie aber zufällig im Besitz eines alten maroden Atomkraftwerks, dann dürfen Sie sich über einen solchen Vertrag freuen. Noch in der Nacht, als sich die Vertreter der schwarz-gelben Bundesregierung (immer in Rücksprache mit den Atombossen) auf die Verlängerung der Laufzeiten geeinigt hatten, wurde mit den Betreibern der Atomkraftwerke ein Vertrag unterzeichnet, der unter anderem die Kosten für die Nachrüstung z.B. des 36 Jahre alten Atomkraftwerks Biblis A hier ums Eck auf 500 Millionen € begrenzt. Dabei verfügen Biblis A und B unter anderem nicht über eine unabhängige Notstandswarte oder sind gegen den Aufprall auch nur eines kleinen Flugzeugs ausgelegt.
Das Magazin Monitor hat in seiner Sendung am 9. September (www.wdr.de/tv/monitor/sendungen/2010/0909/atom.php5) die geplanten Änderungen in der Sicherheitstechnik der Atomkraftwerke unter die Lupe genommen und kommt zu dem Schluss, dass es bei dem Entwurf der Bundesregierung nicht um maximalen Schutz sondern um maximalen Profit für die Atomindustrie geht.
Und wie ist dieser schmutzige Atom-Deal an die Öffentlichkeit gekommen? Der Vertrag sollte eigentlich nie öffentlich werden. Während sich die Bundesregierung am 06.09.2010 in Berlin für ihr sogenanntes “Energiekonzept” in den Himmel lobte, verplapperte sich der Vizechef von RWE auf einem Kongress in München aus zorn über die penetranten Fragen eines Greenpeace-Vertreters und erwähnte den Vertrag, von dem bis dato niemand wusste. Greenpeace machte das öffentlich. In den folgenden drei Tagen wuchs der öffentliche Druck so sehr, dass die Bundesregierung das Geheimpapier zuerst in Teilen und schließlich komplett veröffentlichen musste. Zum Schluss ist noch heraus gekommen, dass das Umweltministerium an dem Entwurf des Geheimvertrags nicht beteiligt war; der Staatsekretär wurde ins Bett geschickt. Dieser nun nicht mehr geheime Geheimvertrag und seine Hintergründe sind im Internet bei www.ausgestrahlt.de nachzulesen.
Schreiben Sie Angela Merkel, was Sie von ihrer Kuschelei mit der Atomindustrie halten. Im Internet könne Sie das einfach bei www.campact.de tun.
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Geisterfahrer im Geopark
14.2.2010 von Christian Flöter.
Unterwegs im Geopark, Nebel, leichter Schneefall. Die FDP starrt konzentriert durch die Windschutzscheibe. Dann der Schreck, ein Geisterfahrer kommt ihr entgegen; nein, nicht einer, dutzende! Grüne, SPD, Nabu, BUND, Untere Naturschutzbehörde, Geopark-Befürworter, alle rasen durch den winterlichen Geopark bei denkbar schlechter Sicht auf derselben Spur der FDP entgegen.
An dieser Stelle muss ich unterbrechen und die FDP bei ihrer rasanten Fahrt verlassen. Selbst kleine Kinder haben bereits gemerkt, dass nur ein Geisterfahrer durch diese Geschichte fährt: trotzig hält die Mövenpick-Partei daran fest, als einzige richtig herum unterwegs zu sein. Sie könne gar nicht falsch abgebogen sein, da ihr das Linksabbiegen per Parteiprogramm verboten sei. Deshalb besteht sie darauf, alle anderen seien die Geisterfahrer.
Dabei ist die FDP sehr einäugig bei ihrem Gejammer um den Holzeinschlag. Sie fragt, wo den die “Grüngläubigen” sein, wenn am Binselberg 8 Hektar Wald vernichtet werden. Zugegeben 8 Hektar klingt viel bedrohlicher als 0,8 Hektar oder 8.400 Quadratmeter, die tatsächlich betroffen sind. Zum Vergleich: für die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen werden 320 Hektar Wald gefällt. Die 400-mal größere Waldvernichtung hätte bei der Umstädter FDP eine Tränenflut auslösen müssen, die ganz Umstadt unter Wasser gesetzt hätte.
Aber auch der Eingriff in den Umstädter Wald in einer Größenordnung von etwas mehr als einem Fußballfeld bedarf einer sorgfältigen Abwägung. Die Hälfte der Fläche wird nach der Baumaßnahme wieder aufgeforstet. Dem steht gegenüber, dass die Windkraft für eine klimaschonende Stromgewinnung unabdingbar ist. Aus diesem Grund halten wir den Eingriff für vertretbar.
Einer ähnlichen Abwägung beim Frankfurter Flughafen hat sich die FDP übrigens bis heute verweigert. Selbst das vom Verwaltungsgerichtshof in Kassel verlangte Nachtflugverbot wird unter Führung der FDP-Minister in der Landesregierung beim Bundesgerichtshof beklagt. Und das, obwohl die FDP, wie auch die CDU, immer wieder den betroffenen Menschen in der Rhein-Main-Region versprochen hat, dass es keinen Ausbau des Flughafens ohne eine Nachtflugverbot geben werde.
Aber vielleicht ist ja auch die FDP für eine nachhaltige Energiepolitik zu gewinnen, wenn denn der Preis stimmt. Vor der Bundestagwahl bekam die FDP eine Spende von 1,1 Millionen Euro von Baron Finck, Miteigentümer der Mövenpick-Hotels. Zu Beginn diesen Jahres senkt der Bundestag die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen, einen Zusammenhang will die FDP dabei nicht erkennen. Dabei dürfte diese Spende die größte in ihrer Geschichte gewesen sein.
Auf den Internetseiten von CampAct wird dazu aufgerufen, 2 Millionen Euro zu sammeln und an die FDP zu spenden, um sie für eine Abkehr von der Atompolitik zu “gewinnen”. CampAct organisiert Kampagnen, bei denen sich Menschen via Internet in aktuelle politische Entscheidungen einmischen. Wenn Wirtschaftslobbyisten Gesetze diktieren wollen oder im Bundestag die Meinung der Bevölkerung nicht zählt, ist CampAct zur Stelle.
Wenn diese witzige Idee Erfolg hätte, dann wäre es auch der Umstädter FDP möglich, bei der nächsten Ausfahrt rauszufahren und die Geisterfahrt zu beenden.
P.S.: Wenn Sie die Debatte um den Ausstieg aus dem Atomausstieg für falsch halten, können Sie zum einen Ihren Strom aus nachhaltiger Erzeugung beziehen. Der Umstieg ist ganz einfach, alle Informationen finden Sie unter www.atomausstiegselbermachen.de . Zum anderen können Sie sich an den bundesweiten Demonstrationen gegen die Atompolitik von CDU und SPD am 24. April 2010 beteiligen. Weitere Informationen finden Sie unter http://akwende.blogsport.de/.
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Die FDP, die Windräder und ein Märchen
18.11.2009 von Christian Flöter.
Ein gewisses Maß an Autismus kann man der FDP Groß-Umstadt schon bescheinigen, wenn man ihre Stellungnahme im Odenwälder Boten vom 17. November zu Grunde legt: Nachdem die Stadtverordnetenversammlung die Frage der Vorrangflächen für Windkraft aus ihrer Stellungnahme zur Regionalplanung ausgeklammert hat, da dafür ein eigener Plan erstellt werden soll, interpretierte die FDP das als Ablehnung der Windkraft und fordert die Rücknahme der erteilten Baugenehmigung.
Nun hat weder die Stadtverordnetenversammlungen die Windkraft im Allgemeinen oder speziell auf dem Binselberg mehrheitlich abgelehnt, noch ist der Magistrat der Stadt Groß-Umstadt für die Erteilung der Baugenehmigung zuständig. Die Baugenehmigung wurde nach Anhörung verschiedener Träger öffentlicher Belange unter anderem auch der Stadt Groß-Umstadt vom Regierungspräsidium in Darmstadt erteilt und ein Sofortvollzug der Baugenehmigung angeordnet. Eilanträge vor dem Verwaltungsgericht eines betroffenen Bürgers und der Gemeinde Schaafheim wurden allerdings vom Gericht abgelehnt. In der Begründung wies das Gericht unter anderem darauf hin, dass die Erteilung der Baugenehmigung nicht aufgrund der geplanten Vorrangfläche sondern der bestehenden Rechtsgrundlage erteilt worden ist.
Dass die FDP die Logik von Klimawandel und erneuerbaren Energien tatsächlich bis heute nicht begriffen hat, stellt sie täglich neu unter Beweis. Ihr Versuch, das Klima durch längere Laufzeiten der Atomkraftwerke und den Neubau von Kohlekraftwerken gesund zu beten, hat dieselbe Qualität wie die Beteuerung durch Steuersenkungen die Staatseinnahmen steigern zu können, um die hohen Staatsverschuldung abzubauen. Das ist Ideologie pur, selbst die bürgerliche Presse lässt kein gutes Haar an diesen Plänen. Die Zeche werden wieder einmal die heutigen und zukünftigen Steuerzahler bezahlen müssen.
Frau Hartmann-Gebhard stellte ihre Position zu den Windkraftanlagen auf dem Binselberg in Form eines Märchens dar. Märchen gehören zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der mündlichen Überlieferung. In Märchen werden allgemeine Erfahrungen und alte Weisheiten vermittelt. Damit suggeriert die Autorin, dass es sich bei ihrem Text weniger um ihre persönliche Meinung, sondern vielmehr um eine alte, von unseren Vorfahren überbrachte und allgemein gültige Weisheit handele.
Schon der Begriff Gutmenschen für die Planer der Windkraftanlagen stellt eine Diffamierung dar. Benutzer dieses Begriffs „unterstellen Personen oder Personengruppen mit betont moralischer Grundhaltung ein fehlgeleitetes beziehungsweise zweifelhaftes Verhalten“ (Wikipedia).
Im Weiteren unterstellt sie dem Bürgermeister und vermutlich allen Politikern, ja selbst Königen, dass sie ihre Meinung sofort, ganz populistisch ändern, wenn ein paar Bürgerinnen und Bürger nur laut genug mit Blecheimern lärmen. Dass diese Rechnung leider teilweise aufgeht, hat die letzte Bürgerversammlung zu diesem Thema gezeigt. Wie es um unsere demokratische Kultur bestellt wäre, wenn dieses Prinzip, „wer den meisten Lärm macht bekommt Recht“, sich durchsetzt, steht auf einem anderen Blatt.
Auch Frau Hartmann-Gebhardt unterstellt wie schon früher die FDP, dass es bei dem Bau der Windkraftanlagen nur um den monetären Gewinn gehe. Selbst wenn es so wäre, taugt das in einer Gesellschaft, die die Gewinnerzielung als Ziel geschäftlichen Handelns grundsätzlich befürwortet, nicht wirklich als Vorwurf. Die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken wird den Betreibern täglich einen Millionengewinn einbringen und im Klimaschutz sogar kontraproduktiv sein. Auch Lehrerinnen könnte man mit derselben Logik vorwerfen, nicht wirklich ein Interesse an den Kindern zu haben, sondern ausschließlich wegen des finanziellen Vorteils zu unterrichten.
Auch die wunderbare Lösung, die uns Frau Hartmann-Gebhardt mit dem Bau von Fotovoltaikanlagen offeriert, ist nicht wirklich eine. Nur der breiten Mix aus erneuerbaren Energien, aus Fotovoltaik, solarer Heizsysteme, Biomasse, Wasserkraft, Geothermie und Windkraft kann uns aus der fossilen Falle führen und ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz sein; und die Windkraft spielt dabei eine zentrale Rolle.
Wir werden auch in Zukunft für einen Wandel in unserer Energienutzung und für Klimaschutz streiten. Dazu gehört auch immer wieder Stellung zu nehmen gegen Versuche der Volksverdummung, sei es, dass sie als fröhliche Blödelei der FDP oder in Gestalt eines Märchens daherkommen.
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Ein Hauch von Kopenhagen
17.11.2009 von Christian Flöter.
Auf der letzen Stadtverordnetensitzung am 12. November war in der Mehrzweckhalle Wiebelsbach ein Hauch von Kopenhagen zu verspüren. Nicht etwa weil die Stadtverordneten das Problem Klimaschutz ernsthaft und aufrichtig diskutierten, sondern weil die Mehrheit der Stadtverordneten ähnlich wie es in Kopenhagen zu erwarten ist, sich nach dem Florians-Prinzip vor den notwendigem Entscheidungen wegducken wollten.
Auf der Tagesordnung stand der Entwurf des Regionalplans für Südhessen. Dazu hat es zwei Tage vorher eine gut besuchte Bürgerversammlung gegeben auf der sich vor allem die Windkraftgegner aus Raibach zu Wort meldeten. Sie lehnen nach wie vor die aus ihrer Sicht überdimensionierten Windkraftanlagen ab, die über dem Raibacher Tal entstehen sollen. Die eigenen Interessen in solchen Veranstaltungen einzubringen gehört zum basisdemokratischen Kern der grünen Partei. Das Traurige hier ist allerdings, dass ein Teil der Stadtverordneten rein pragmatisch populistisch dem laut geäußerten Bürgerzorn ausweichen möchte und deshalb die Ausweisung von Windvorrangflächen ganz oder teilweise wieder zurücknehmen möchte. Dankbar wurde das Thema auf irgendwann vertagt, der Unmut der anwesenden Windkraftgegner vermieden.
Dabei unterliegen sie gleich in doppelter Hinsicht einem Irrtum. Windvorrangflächen sollen Baumöglichkeiten für Windräder auf wenige Flächen beschränken und waren deshalb schon immer ein Instrument um den Bau von Windkraftanlagen zu beschränken. Ein Verzicht auf diese Flächen führt allerdings dazu, dass in der gesamten Gemarkung gebaut werden darf. Da Windkraftanlagen nach Bundesbaurecht zudem privilegiert sind, können Bauanträge kaum abgelehnt werden. Den zweiten, schwerer wiegenden Irrtum machen sie, wenn sie glauben, dass sie die protestierenden Bürgerinnen und Bürger auf diese Weise wieder friedlich stimmen können. Diese werden erst dann zufrieden sein, wenn auf den Neubau der Windräder ganz verzichtet wird.
Auch das Land Hessen hat keine glückliche Hand bei der Förderung der erneuerbaren Energien und besonders der Windkraft. Der Hessische Minister für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Dieter Posch (FDP), gelangt im August diesen Jahres ebenfalls zu dieser Erkenntnis: Die Planungen seiner eigenen Parteifreunde und seines Koalitionspartners sind schlicht und ergreifend rechtswidrig, denn der Anteil der Vorrangflächen für Windenergie ist so niedrig, dass es einer Verhinderungsplanung gleichkommt. Wie ideologisch verblendet muss man sein, dass man lieber geltende Gesetze brechen will, als Windkraft zu fördern?
Wenn schon im Kleinen, in Groß-Umstadt, der Klimaschutz der eigenen Befindlichkeit hinten angestellt wird, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn auch die Bundesregierung in Kopenhagen kleinlich verzagt am Verhandlungstisch sitzen wird.
Nachbemerkung: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst. Wir glauben gerne über uns, dass wir in Sachen Klimaschutz schon viel weiter sind, als die von uns gewählten Regierenden; aber dann taucht für jeden von uns sein persönliches Windrad auf, das wir eigentlich nur hässlich finden und verhindern wollen.
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Zehn Vorurteile über Atomenergie (vierter Teil)
11.8.2009 von Christian Flöter.
Achtens: Atomkraftwerke sorgen für niedrige Strompreise
Die Strompreise steigen seit Jahren – trotz Atomstrom. Ein entscheidender Grund dafür ist die Marktmacht der vier großen Energiekonzerne, die das Stromangebot an der Leipziger Strombörse dominieren. Von 2002 bis 2008 erwirtschafteten EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall fast 100 Milliarden Euro Gewinn, davon allein 14 Milliarden im Jahr 2008. Im gleichen Zeitraum erhöhten sie die Strompreise um weit über 50 Prozent.
Atomkraftwerke zementieren die Marktmacht der Konzerne und sichern ihnen Milliardengewinne. Dagegen wirken die Erneuerbaren Energien schon heute preisdämpfend. Dank Windkraft sparen die Verbraucher jedes Jahr mehrere Milliarden Euro (Merit-Order-Effekt). Die Kosteneinsparungen über den Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien lagen in Deutschland nach dem Erfahrungsbericht des Bundesministeriums für Umwelt im Jahre 2006 bei 5,0 Mrd. € und damit über den Mehrkosten von 3,3 Mrd. € gegenüber konventioneller Stromerzeugung. Zitat: “Wenn man den Marktwert der erneuerbaren Energien und das in dieser Studie bestimmte Volumen des Merit-Order-Effektes gemeinsam betrachtet, kommt es zu einer erheblichen Reduktion der durch das Erneuerbaren-Energien-Gesetz verursachten Kosten. Für das Jahr 2006 ist Summe aus Marktwert und Merit-Order-Effekt sogar höher als die gesamte EEG-Vergütungssumme.“
Diese Kosteneinsparungen der Stromversorger werden aber nicht an die Endkunden weitergegeben, sondern erhöhen die Gewinne der Stromkonzerne.
Fielen die derzeitigen enormen Vergünstigungen für Atomkraft weg – etwa durch eine realistische Deckungssumme bei der Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke, eine Besteuerung der Rücklagen, eine Brennstoffsteuer –, wäre Atomstrom unbezahlbar: Die Basler Prognos AG errechnete schon 1992 einen realistischen Preis von rund 2 Euro pro Kilowattstunde.
Neuntens: Atomkraftwerke schaffen Arbeitsplätze
Die Erneuerbaren Energien sind der größte Jobmotor im Land. 280.000 zukunftssichere, nachhaltige Arbeitsplätze haben sie binnen weniger Jahre geschaffen, davon 30.000 allein im letzten Jahr. Die Atomindustrie insgesamt beschäftigt gerade einmal 35.000 Menschen.
Selbst in der aktuellen Wirtschaftskrise steigt die Zahl der offenen Stellen in der Erneuerbaren-Energien-Branche weiter an. Prognosen rechnen mit 220.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2020, sofern Ökostrom im Stromnetz weiterhin Vorrang genießt.
Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke oder gar eine Abkehr vom Atomausstieg gefährden dagegen die Energiewende und damit Hunderttausende von Jobs.
Atomenergie ist kapitalintensiv – erneuerbare Energien sind arbeits(platz)intensiv.
Zehntens: Wir brauchen Atomkraftwerke bis die erneuerbaren Energien so weit sind
Jüngst haben die Stromkonzerne E.ON und Électricité de France (EdF) der britischen Regierung gedroht: Sie würden nicht in neue Atomkraftwerke investieren, wenn London die Erneuerbaren Energien fördere. Denn teure Atomkraftwerke rechnen sich nur, wenn sie rund um die Uhr ihren Strom absetzen können.
Zur Kombination mit Erneuerbaren Energien eignen sich nur Kraftwerke, die sich schnell und leicht regeln lassen. Denn sie sollen den umweltfreundlichen Strom aus Sonne, Wind und Wasser ja nur ergänzen. Atomkraftwerke aber sind, technisch bedingt, extrem unflexibel.
Atomkraft und Erneuerbare Energien sind daher niemals ein Team, sondern immer Gegenspieler: Wer Atomkraftwerke baut, behindert den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Oder eben umgekehrt.
Schon heute decken Erneuerbare Energien mehr als ein Sechstel des Weltenergieverbrauchs. Öl, Gas, Kohle& und Uran gehen zur Neige, die Erderwärmung nimmt zu. Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie wird es geben, solange es die Erde gibt. Die Umstellung unserer Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist möglich. Es ist auch die einzige Chance, die uns bleibt.
Wenn Ihnen das alles auch ungereimt vorkommt und Sie der Meinung sind, dass an dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie festgehalten werden soll, können Sie etwas tun: Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ rufen Initiativen, Umweltverbände und auch Bündnis 90/Die Grünen zu einer Demonstration in Berlin am 5. September 2009 auf. Nähere Informationen finden Sie unter www.ausgestrahlt.de. Weiter Informationen über die Probleme der Atomkraft finde Sie sehr gut zusammengetragen und mit weiterführenden Links versehen unter http://100-gute-gruende.de .
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Zehn Vorurteile über Atomenergie (dritter Teil)
9.8.2009 von Christian Flöter.
Fünftens: Deutsche Atomkraftwerke sind sicher
Die noch in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke wurden alle zwischen 1970 und 1982 begonnen zu bauen. Sie entsprechen damit auch im wesentlichen der damaligen Technik.
Kein vernünftiger Mensch würde je behaupten, ein Auto wie der VW-411 von 1970 sei heute noch »sicherheitstechnisch auf dem aktuellen Stand« – selbst wenn er in der Zwischenzeit die Stoßdämpfer erneuert, die Bremsen gewechselt und Anschnallgurte nachgerüstet hätte. Und jeder, der ankündigte, seinen Commodore-C64-Heimcomputer (Baujahr 1982-93) auf heutige Standards nachrüsten zu wollen, würde lauthals ausgelacht. Nur bei Atomkraftwerken ist all das nach Ansicht ihrer Betreiber kein Problem.
Dabei ist die Liste der Störfälle in deutschen Atomkraftwerke lang. So hat es allein bei den hessischen Atomkraftwerken Biblis A und B seit ihrem Betrieb über 400 meldepflichtige Störfälle pro Reaktor gegeben, durchschnittlich jeden Monat einen. Dazu gehört auch der Störfall vom Dezember 1987: Das Betriebspersonal verursacht ein Kühlmittel-”Leck” im Primärkreislauf. Ursache: Ein Ventil klemmt und bleibt offen. Als der Fehler nach 15 Stunden endlich auffällt, öffnen Techniker ein zweites Ventil, um das erste durchzuspülen, statt den Reaktor sofort abzuschalten. Das unter hohem Druck stehende Wasser des Primärkreislaufs schießt durch das selbstproduzierte Leck. 107 Liter radioaktives Kühlwasser laufen aus. Das verklemmte Ventil löst sich nicht. Nur mit Glück lässt sich das zweite Ventil trotz des hohen Drucks wieder schließen. Dies ist der schwerste Vorfall, der sich je in einem deutschen Atomkraftwerk ereignet hat. Das Auslaufen von Kühlwasser kann eine Kernschmelze zur Folge haben.
Aber nicht nur menschliches Versagen stellt ein ernstes Problem dar. Nach einer am 06.08.2009 veröffentlichten Studie des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhöhen längere Laufzeiten für alte Atomkraftwerke deutlich das Störfallrisiko. Betroffen seien besonders die Atomkraftwerke Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Krümmel, Neckarwestheim, Unterweser, Biblis A und Biblis B. Diese Reaktoren erfüllten nicht die modernen Sicherheitsstandards, auch dann nicht, wenn sie nachgerüstet würden. Alterungseffekte wie Materialverschleiß seien kaum zu kontrollieren und ein massives Sicherheitsproblem.
Deutsche Atomkraftwerke gehören »zu den sichersten der Welt«? Von wegen! Bei einem internationalen Sicherheitsvergleich der OECD im Jahr 1997 schnitt das bundesdeutsche Referenz-Atomkraftwerk (Biblis B) hinsichtlich der Kernschmelz-Festigkeit am schlechtesten ab. Wasserstoffexplosionen seien besonders wahrscheinlich, der Sicherheitsbehälter aus Stahl besonders instabil, urteilten die Gutachter: In Biblis sei »die Gefahr extrem hoch, dass es bei einer Kernschmelze zu massiven Freisetzungen von Radioaktivität kommt«.
Deutschland ist siebenmal dichter besiedelt als die Region um Tschernobyl, das Rhein-Main-Gebiet etwa 30-mal so dicht. Bei einem schweren Unfall mit Freisetzung großer Mengen Radioaktivität würden also deutlich mehr Menschen mit noch höheren Strahlendosen belastet.
Sechstens: Atomkraftwerke geben keine Radioaktivität an die Umwelt ab
Jedes Atomkraftwerk hat einen Abluftkamin und ein Abwasserrohr: für radioaktive Stoffe wie Tritium, Kohlenstoff, Strontium, Jod, Cäsium, Plutonium, Krypton, Argon und Xenon. Sie verteilen sich in der Luft, landen in Wasser und Boden. Sie lagern sich ab, reichern sich an, werden von Organismen aufgenommen, zum Teil sogar in Körperzellen eingebaut. Dort können sie besonders gut Krebs auslösen und das Erbgut schädigen.
Die Abgabe strahlender Stoffe über Abluft und Abwasser ist von den Behörden genehmigt. Üblicherweise erlaubt sind rund eine Billiarde Becquerel radioaktive Edelgase und Kohlenstoff, 50 Billionen Becquerel Tritium, 30 Milliarden Becquerel radioaktive Schwebstoffe und circa 10 Milliarden Becquerel radioaktives Jod 131. Pro Jahr und Atomkraftwerk natürlich.
Je näher ein Kind an einem Atomkraftwerk wohnt, desto größer ist sein Risiko, an Krebs zu erkranken. Im 5-Kilometer-Umkreis um deutsche Atomkraftwerke erkranken Kinder unter fünf Jahren 60 Prozent häufiger als im bundesweiten Durchschnitt. Die Leukämie-Rate ist sogar mehr als doppelt so hoch (+ 120 %). Leukämie (Blutkrebs) wird besonders leicht durch radioaktive Strahlung ausgelöst.
Daten aus den USA legen nahe, dass auch Erwachsene rings um Atomanlagen häufiger an Krebs erkranken.
Vielleicht ist das der Grund, dass die Vorstandsvorsitzenden von EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall, Hans-Peter Villis, Wulf Bernotat, Jürgen Großmann und Tuomo Hatakka zwar beruflich vehement für Atomkraft streiten, privat aber lieber Abstand halten: Alle vier haben ihren Wohnsitz weitab von ihren Atomkraftwerken gewählt.
Siebtens: Atomkraftwerke habe nichts mit der Atombombe zu tun
Zivile und militärische Nutzung von Atomenergie lassen sich nicht trennen. Eine Urananreicherungsanlage kann auch hochangereichertes Uran für Bomben herstellen. Ein Reaktor kann auch besonders viel Plutonium erbrüten. In einer ›heißen Zelle‹ können auch Bomben hergestellt werden. Eine Wiederaufarbeitungsanlage extrahiert aus dem Abfall von Atomkraftwerken den Bombenstoff Plutonium.
Viele Staaten haben unter dem Deckmantel der zivilen Atomkraft Atomwaffen entwickelt – einige sehr erfolgreich. Je mehr Atomkraftwerke es gibt, desto größer ist die Gefahr des militärischen oder terroristischen Missbrauchs.
Radioaktive Stoffe aus Atomanlagen können auch für schmutzige Bomben missbraucht werden. Eine kleine Menge radioaktiver Spaltprodukte aus irgendeiner Atomanlage, mit herkömmlichem Sprengstoff vermischt, genügen zum Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe. Deren Explosion würde die Spaltstoffe fein zerstäuben und verteilen und damit die Umgebung zusätzlich radioaktiv verseuchen – ein übles Drohpotenzial.
Aber die Atomkraftwerke sind selbst auch Angriffsziele. Um Millionen Menschen zu verletzen und zu töten und ganze Regionen unbewohnbar zu machen, braucht es keine eigene Atombombe. Der Angriff auf ein Atomkraftwerk genügt.
Bei einem streng geheimen Flugsimulator-Experiment im Auftrag der Bundesregierung gelang es den Probanden bei jedem zweiten Versuch, einen Jumbo auf einen Atomreaktor zu lenken.
Weder Biblis A noch Biblis B sind für einen Aufprall von einem Verkehrsflugzeug ausgelegt. Die Terroristen des 11. September wollten ursprünglich ein Atomkraftwerk in den USA als Ziel für einen Flugzeugabsturz auswählen. Sie dachten aber, Atomkraftwerke seien besonders militärisch geschützt und haben deshalb das World Trade Center in New York ausgewählt.
Wenn Ihnen das alles auch ungereimt vorkommt und Sie der Meinung sind, dass an dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie festgehalten werden soll, können Sie etwas tun: Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ rufen Initiativen, Umweltverbände und auch Bündnis 90/Die Grünen zu einer Demonstration in Berlin am 5. September 2009 auf. Nähere Informationen finden Sie unter www.ausgestrahlt.de. Weiter Informationen über die Probleme der Atomkraft finde Sie sehr gut zusammengetragen und mit weiterführenden Links versehen unter http://100-gute-gruende.de .
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Zehn Vorurteile über Atomenergie (zweiter Teil)
4.8.2009 von Christian Flöter.
Drittens: Atomkraftwerke machen uns von Energieimporten unabhängig
Atomstrom ist keine „heimische“ Energiequelle; sie macht uns vielmehr abhängig von Rohstoffimporten und von multinationalen Konzernen: Zwei Drittel der Welt-Uranproduktion liegen in der Hand von vier großen Bergbauunternehmen. In ganz Europa fördern nur noch Bergwerke in Tschechien und Rumänien kleinere Mengen Uran. In Deutschland wird seit 1991 praktisch kein Uran mehr gefördert, in Frankreich seit 2001.
Rund 70 Prozent der Welt-Uranreserven liegen auf dem Gebiet indigener Bevölkerungsgruppen. Der Uranabbau zerstört ihre Dörfer, raubt ihre Weide- und Ackerflächen, vergiftet ihr Wasser.
Allein die Regierung Nigers hat im Jahr 2008 ausländischen Investoren für ein riesiges Gebiet im Norden des Landes 122 Konzessionen zum Abbau von Uranerz erteilt – über die Köpfe der hier lebenden Tuareg hinweg. Wie in vielen Uranabbaugebieten droht auch ihnen Enteignung und Vertreibung. So wie am 26. Januar 1996 im indischen Chatijkocha: Assistiert von Polizeieinheiten walzten die Bulldozer des Bergbauunternehmen dort ohne Vorwarnung Hütten, Scheunen und Äcker platt, um weiteren Platz für die Uranmine zu schaffen.
Seit 1985 verbrauchen die Atomkraftwerke jedes Jahr deutlich mehr Uran, als die Uranminen aus dem Boden holen. So förderten alle Uranminen weltweit zusammen im Jahr 2006 noch nicht einmal zwei Drittel der benötigten Uranmenge. Den fehlenden Brennstoff bezogen die Atomkraftwerksbetreiber bisher aus zivilen und militärischen Lagerbeständen. Diese gehen jedoch zur Neige.
Um auch nur die Versorgung der derzeitigen Atomkraftwerke mit Brennstoff sicherzustellen, müsste die Uranfördermenge in den nächsten Jahren um mehr als 50 Prozent steigen. Dafür müssten unzählige neue Uranminen in Betrieb gehen – mit allen schädlichen Folgen für Mensch und Umwelt.
Deshalb sind Atomkraftwerke auf den Import von Uran angewiesen. Dabei werden die Vorräte an Uran schneller zu Ende gehen als Kohle, Erdöl oder Erdgas.
Viertens: Die Entsorgungsfrage des radioaktiven Mülls ist gelöst
Rund 12.500 Tonnen hochradioaktive abgebrannte Brennelemente sind in den deutschen Atomkraftwerken bisher angefallen. Jedes Jahr kommen rund 500 Tonnen hinzu. Plus Tausende Kubikmeter schwach- und mittelaktiven Mülls. Plus alles, was in Luft und Wasser landet. Plus die Abfälle aus der Wiederaufarbeitung. Plus die Abfallhalden des Uranbergbaus. Plus das abgereicherte Uran aus der Anreicherungsanlage. Plus die Atomanlagen selbst, denn auch die müssen irgendwann »entsorgt« werden.
Rechtlich gesehen darf in Deutschland eigentlich überhaupt kein Atomkraftwerk betrieben werden, solange die Entsorgung des Atommülls nicht gesichert ist. Um dieses bisher nicht gelöste Problem zu umgehen, dienten als „Entsorgungsvorsorgenachweis“ wahlweise die undichte und einsturzgefährdete Atommüllkippe Asse II, die Erkundungsarbeiten im Salzstock Gorleben, der Bau der Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) Wackersdorf (in der Zwischenzeit eingestellt), die Atommüll-Transporte ins Ausland sowie aktuell die „geordnete Zwischenlagerung“ der abgebrannten Brennelemente in Castor-Behältern in oberirdischen Hallen.
Es gibt weltweit bis heute kein genehmigtes Endlager: Anders als die Atomlobby glauben machen will, sind viele Sicherheitsfragen in puncto Endlager weiterhin völlig ungeklärt. So nahmen die USA wegen schwerwiegender Gefahren für Mensch und Umwelt unlängst Abstand von ihrem Endlager-Projekt in den Yucca Mountains. Das schwedische Konzept der Endlagerung in Granit-Urgestein steht ebenfalls vor dem Aus. Und was den Salzstock in Gorleben angeht: Der ist in weiten Teilen von Grundwasser überströmt. Nach den Erfahrungen mit den Wassereinbrüchen in der Atommüllkippe Asse II sollten sich weitere Diskussionen über die „Eignung“ Gorlebens als Endlager eigentlich erübrigt haben.
Bis die Strahlung der radioaktiven Abfallstoffe aus den Atomkraftwerken einigermaßen abgeklungen ist, dauert es ungefähr eine Million Jahre. So lange muss der Atommüll von Mensch und Biosphäre ferngehalten werden.
Hätten die Neandertaler kurz vor ihrem Aussterben vor 30.000 Jahren Atomkraftwerke betrieben und ihren Atommüll irgendwo vergraben, so würde er heute noch tödlich strahlen – und wir müssten wissen, wo wir unter keinen Umständen graben dürften. Ob die Schilder, die die Neandertaler sicherlich aufgestellt hätten, noch stünden und ob wir heute in der Lage wären, sie auch zu lesen, ist dabei fraglich. Die Keilschriften aus dem Zweistromland sind „erst“ 2.500 bis 5.000 Jahre alt und sind uns bis heute weitestgehend ein Rätsel.
Wenn Ihnen das alles auch ungereimt vorkommt und Sie der Meinung sind, dass an dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie festgehalten werden soll, können Sie etwas tun: Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ rufen Initiativen, Umweltverbände und auch Bündnis 90/Die Grünen zu einer Demonstration in Berlin am 5. September 2009 auf. Nähere Informationen finden Sie unter www.ausgestrahlt.de. Weiter Informationen über die Probleme der Atomkraft finde Sie sehr gut zusammengetragen und mit weiterführenden Links versehen unter http://100-gute-gruende.de . Wenn Sie mit uns diskutieren wollen, können Sie das unter www.blog.gruene-umstadt.de .
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Zehn Vorurteile über Atomenergie (erster Teil)
2.8.2009 von Christian Flöter.
Erstens: Ohne Atomkraftwerke gehen die Lichter aus
Nach einer zweiten Panne binnen weniger Tage im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Krümmel hatte sich der Meiler am 4. Juli 2009 selbst abgeschaltet. In Hamburg fielen daraufhin 1500 der 1800 Straßenampeln aus. Betroffen waren auch mehrere Einkaufszentren sowie Stahl- und Aluminiumwerke.
Auch die Stromversorgung im Bergwerk Gorleben wurde dabei gekappt. Ein Spannungsabfall im Umspannwerk Lüchow sorgte dafür, dass zwei in den Erkundungssalzstock hinabführende Fahrstühle drei Tage lang nicht funktionierten. Auch Steuerungsdaten für die Seilfahrtanlagen seien dabei gelöscht worden, berichtete die Frankfurter Rundschau. Zur Erinnerung: das Bergwerk Gorleben soll als Endlager für den radioaktiven Müll ausgebaut werden.
Letzte Woche standen sogar bis zu sieben von den siebzehn deutschen Atomkraftwerken parallel still, 9000 Megawatt Leistung waren nicht am Netz und man hat in Deutschland nichts gemerkt. Keine Glühbirne flackerte, der Strompreis veränderte sich nicht und wir haben sogar noch weiterhin Strom exportiert.
Zweitens: Atomkraftwerke schützen das Klima
Der CO2-Ausstoß durch die Energieproduktion mit Kohle, Erdöl oder Erdgas ist maßgeblich verantwortlich für den Klimawandel. Ein nicht unbedeutender Teil dieser Emissionen entsteht bei der Stromerzeugung. Da Atomkraftwerke während ihres Betriebes zwar Radioaktivität aber wenig CO2 abgeben, werden sie uns von CDU und FDP als Mittel für den Klimaschutz angepriesen.
Tatsächlich erzeugen die deutschen Atomkraftwerke 33 bis 35 % des Stroms, vorausgesetzt, alle Kraftwerke sind tatsächlich am Netz (siehe oben). Würden wir nun versuchen, den Kohlendioxid-Ausstoß des Strombereichs ausschließlich mit der Kernenergie zu verringern, müssten dafür in Deutschland in den nächsten 10 bis 15 Jahren mehr als zehn neue Reaktoren gebaut werden. Und die hätten die Größe des Kernkraftwerks Brokdorf.
Wenn wir die bestehenden Reaktoren einbeziehen, von denen ein Großteil bis zum Jahr 2020 aus Altersgründen stillgelegt und zusätzlich zu ersetzen wäre, müssten in den nächsten 20 Jahren mehr als 20 neue Reaktorblöcke den Betrieb aufnehmen. Das wären mehr Anlagen, als derzeit in Deutschland betrieben werden. Ein sehr unwahrscheinliches Szenario.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Kühlung der Reaktoren durch Flusswasser. Kühlwasser ist für den Betrieb von Atomkraftwerken zwingend notwendig. Deshalb rechnet die Mehrheit der Experten mit vermehrten Ausfällen in heißen Sommern. Die Temperatur des Flusswassers sowie der niedrige Wasserstand reicht nicht mehr aus, um den Reaktor bei Volllast zu kühlen. Wenn der Stromverbrauch durch Kühlgeräte und Klimaanlagen steigt, müssen die Atomkraftwerke ihre Leistung drosseln oder ganz einstellen.
Bedenklich ist, dass die Energieversorgung in vielen europäischen Ländern stark von einem einzigen Energieträger abhängt, wie das Energiemarktbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim erklärte. Frankreich etwa setze auf Atomstrom, Österreich beziehe einen Großteil seines Stroms aus der Wasserkraft, Deutschland nutze viel Kohlestrom. Vier von fünf befragten Experten befürworten daher den Ausbau erneuerbarer Energien.
(Fortsetzung folgt)
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Bitte die Bürgerinnen und Bürger nicht für Dumm verkaufen!
26.7.2009 von Christian Flöter.
Die Umstädter FDP will Bürger nicht für dumm verkaufen und erklärt, “dass der Bau von Windrädern über dem Raibacher Tal kein Gramm CO2 einspart.” Sie beruft sich dabei auf ein Artikel der in Spiegel-online erschienen ist. Wer sich die Mühe macht, diesen Artikel zu lesen, der wird feststellen, dass unter einer reißerischen Überschrift fröhlich Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Rein physikalisch wird bei der Erzeugung von 1 kWh Strom in von einer Windkraftanlage deutlich weniger CO2 freigesetzt als bei einem Kohlekraftwerk. Bezieht man die Herstellung der Kraftwerke, ihren Betrieb und ihre anschließene Entsorgung mit ein so “erzeugt” ein Windkraftwerk zwischen 8 und 57 g CO2 pro Kilowattstunde, eine Kohlekraftwerk dagegen zwischen 750 und 1280 g/kWh. Die Differenzen beruht auf unterschiedlichen Berechnungsarten; eine Zusammenfassung finden Sie im Internet unter http://www.buerger-fuer-technik.de/body_co2-bilanz_stromerzeugungsanla.html.
Wie kommt der Spiegel zu seiner merkwürdigen Behauptung? Er betrachtet den Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikaten europaweit und kommt zu dem Schluss, dass das von Windkraftanlagen hier eingesparte CO2 (sie sparen also doch!) in einem anderen Land der europäischen Union durch Kohlekraftwerke zusätzlich herausgeblasen werden kann.
Das Problem an dieser Argumentation ist, dass man Windkraftwerken etwas zuschreibt, was man eigentlich der Politik zuschreiben muss. Nicht der Windzubau ist das Problem, sondern das zu lasche CO2 Ziel, dass der Spiegel einfach als gottgegeben sieht. Bei ehrgeizigen CO2 Zielen, die die Klimaerwärmung auf 2° begrenzen würden, wäre die Windförderung überflüssig. Folglich ist die Kritik am CO2-Handel zu üben, der eine ineffiziente Förderung von Wind notwendig macht, während Wind eine relativ günstige Möglichkeit ist den Klimawandel zu bekämpfen. Und natürlich: Aufgrund der technisch-naturwissenschaftlichen Gegebenheiten spart Wind CO2 ein. Alles andere verkauft die Bürgerinnen und Bürger für dumm!
Die FDP auf Bundeseben ist da schon weiter als ihre Umstädter Mitglieder. In ihrem Bundestagswahlprogramm schreibt sie: “Der deutliche Ausbau erneuerbarer Energien und die Förderung von Energiespeichertechniken leisten einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit Deutschlands. Er bietet zugleich die Grundlage für die weitere technologische Entwicklung und die Technologieführerschaft deutscher Unternehmen in diesem Sektor.” und weiter: “Um erneuerbare Energie auch aus den Quellen Wind und Sonne zu einer jederzeit verfügbar sicheren Energiequelle zu machen, brauchen wir völlig neue Formen der Energiespeicherung, zum Beispiel Druckluftspeicher oder Fahrzeuge mit Elektroantrieb.” Die Tatsache, dass mit finanziellen Investitionen in Windkraft- und Solaranlagen auch Geld verdient werden kann, gilt bei der FDP außerhalb Groß-Umstadts nicht als anrüchig.
Vielleicht lesen die Umstädter FDP-Verantwortlichen mal ihr eigenes Wahlprogramm und hören auf, die Bürgerinnen und Bürger aus naheliegenden populistischen Gründen für Dumm verkaufen zu wollen. Bei dem von allen Parteien im Bundestag getragenen Ziel, den Temperaturanstieg durch den Klimawandel auf 2 Grad zu begrenzen, sind noch viele Probleme zu lösen. Dazu gehört auch die unsinnige Ausgestaltung des CO2-Handels. Da das Problem im Ansatz erkannt ist, engagieren Sie sich in Ihrer Partei doch für einen deutlichen Preisanstieg für die Zertifikate, damit die Stromwirtschaft schneller auf erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Biomasse umgestellt wird.
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Ökostromst du schon oder zahlst du noch an die Atomindustrie?
21.7.2009 von Christian Flöter.
Deutsche Haushalte müssen statistisch umso mehr für ihren Strom bezahlen, je größer der Atomstromanteil im Strommix ihres Versorgers ist. Das ist das überraschende Ergebnis eines repräsentativen Preisvergleichs von über hundert Stromtarifen im ganzen Bundesgebiet. Dabei gilt der Anstieg des Strompreises mit dem Atomstromanteil gleichermaßen für Jahresstromverbräuche der Haushalte von 1.000, 3.000 oder 5.000 Kilowattstunden (kWh). „Unser Preisvergleich widerlegt die von den Atomkraftwerksbetreibern und ihren Lautsprechern in der Politik ständig wiederholte Behauptung, Atomstrom sei für die Kunden billiger, als Propagandalüge“, sagte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), Rainer Baake.
Mit dem letzten Störfall des AKWs Krümmel ist die Sicherheit der Atomkraftwerke rechtzeitig vor der Bundestagswahl wieder in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Dabei steht das AKW Krümmel erst auf Platz 7 der Pannenstatisitk deutscher Atomkraftwerke. Auf Platz 1 steht das AKW Brunsbüttel, gefolgt von Neckarwestheim, Biblis A und Biblis B.
Der Reaktor Biblis B sollte die Tage wieder angefahren werden. Das wurde gestoppt, da er aber nach wie vor nicht gegen die Art Störfall abgesichert ist, der sich 1992 im schwedischen Atomkraftwerk Barsebäck ereignet hat. Nach einem Leck im Primärkühlsystem waren Teile der Rohrisolierungen in das Kühlwasser gerissen worden und verstopften die Siebe der Notkühlpumpen. Das kann im Störfall zu einer Havarie des Reaktors mit Freisetzung großer Mengen Radiaktivität führen.
Mit einem Wechsel zu einem Ökostromanbieter kann jeder Verbraucher seinen persönlichen Atomausstieg erklären. Wie es geht findet sich einfach erklärt im Internet unter www.atomausstieg-selber-machen.de
Als neuer Ökostrom-Kunde und Atomaussteiger wollen Sie natürlich, dass Ihr Geld nicht mehr zu Atomkonzernen fließt, sondern für den Ausbau erneuerbarer Energien verwendet wird. Sonne, Wind und Wasser sind die Energien der Zukunft und liefern schon heute mehr als 15 Prozent des Stroms, der in Deutschland verbraucht wird. Atomausstieg selber machen hat drei Kriterien für Ökostrom aufgestellt, die bisher nur von vier Unternehmen (Lichtblick, Naturstrom AG, Greenpeace Energy und Elektrizitätswerke Schönau) erfüllt werden:
Unabhängigkeit
Es besteht keine eigentumsrechtliche Verflechtung mit einem Stromkonzern der Atom- oder Kohlekraftwerke betreibt oder mit Strom aus diesen Quellen handelt.
Ökostrom
Es wird ausschließlich “grüner Strom” geliefert. Der Strommix (wie er in der gesetzlich vorgeschriebenen Stromkennzeichnung angegeben ist) muss mindestens zur Hälfte aus erneuerbaren Energien stammen. Höchstens 50 Prozent dürfen aus Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgas stammen.
Bundesweit verfügbar
Alle Stromkunden in Deutschland müssen zu den genannten Anbietern wechseln können.
Das bedeutet eine dreifache Sicherheit für Sie:
1. Sicher gegen Atomkraft und Klimawandel, da sich die vier Ökostromanbieter aktiv mit ihren Mitteln gegen gefährliche Atomkraft und für Klimaschutz engagieren.
2. Sichere Stromversorgung - Die physikalische Stromversorgung, also der “Strom aus der Steckdose”, fließt so sicher wie gewohnt. Die Ökostromanbieter nutzen (natürlich) das allgemeine Stromnetz. Eventuelle Störungen werden von dem lokalen Netzbetreiber behoben. Die Kosten hierfür sind durch die monatliche Grundgebühr gedeckt.
Dem Strom sieht man es natürlich nicht an, ob er durch Windkraft oder im Atomreaktor erzeugt worden ist. Aber in der Gesamtbilanz müssen die Betreiber zu jedem Zeitpunkt nachweisen, dass sie mehr Ökostrom ins Netz eingespeist haben, als sie an ihre Kunden geliefert haben. Bei wachsendem kundestamm bedeutet das, das ständig in neue Anlagen investiert werden muss. Damit leistet jeder Kunde eines der 4 Ökostromanbieter einen aktiven Beitrag gegen Atomkraft du für Klimaschutz.
3. Sicherheit und Fairness für Sie, denn es gibt keine Wechselgebühren oder versteckte Kosten. Alle Ökostromanbieter haben keine oder nur eine kurze Mindestvertragslaufzeit (maximal drei Monate). Die Kündigungsfrist beträgt jeweils vier bis sechs Wochen zum Monatsende. Bei unabhängigen Verbraucherempfehlungen (z.B. Stiftung Warentest, Verivox-Kundenbewertung) erhalten alle vier Unternehmen insgesamt gute und sehr gute Bewertungen für den Kundenservice. In der Vergangenheit sind auch die Strompreise von allen vier Ökostromanbietern langsamer gestiegen als der durchschnittliche Strompreis (für Privatkunden) in Deutschland.
Also: Ökostromst du schon - oder zahlst du noch an die Atomindustrie?
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