Antwort auf Herrn Geisingers Leserbrief im Odenwälder Boten am 18.07.2014

Sehr geehrter Herr Geisinger,

ich hatte mir eigentlich vorgenommen, auf Ihre Leserbriefe nicht zu reagieren, variieren sie doch immer wieder nur eine Reihe von Vorurteilen, ohne auf die vielfach geäußerten Gegenargumente einzugehen. Auch die Tatsache, dass Ihr Versuch, ein Bürgerbegehren gegen weitere Windräder in Groß-Umstadt auf die Beine zu stellen, gescheitert ist, eine Vertrag mit einem Betreiber abgeschlossen wurde und die Bürgerinnen und Bürger trotzdem nicht auf die Barrikaden gehen, spricht dafür, dass das Thema in Groß-Umstadt eigentlich durch ist.

Nun haben Sie den Schlusssatz aus Tarek Al-Wazirs Rede vor dem Hessischen Landtag am 15.07.2014 herausgegriffen: „Wir müssen der Energiewende ihren Zauber zurückgeben, und dazu gehört, nicht nur über Probleme zu reden, sondern auch über die Chancen. Probleme sind dafür da, dass sie gelöst werden, und Chancen sind dafür da, dass wir sie ergreifen. Die Energiewende ist auch für Hessen eine große Chance, die wir ergreifen müssen. Für das Klima. Für die Wirtschaft. Für uns alle.

In diesem Sinne zitiere ich weitere Passagen aus der Rede des hessischen Wirtschaftsministers, über die es sich nachzudenken lohnt:

„ … Seit dem Jahr 1990 hat sich aufgrund des CO2 Ausstoßes die globale Durchschnittstemperatur um ungefähr 0,3 Grad erhöht. Das hört sich nach wenig an, ist aber sehr viel. Die dramatischen Auswirkungen der Klimaerwärmung sehen wir als überschwemmte Städte und zerstörte Häuser regelmäßig in den Nachrichten. Mit dem Bevölkerungswachstum der Erde wächst nach wie vor auch der Energieverbrauch. Die Nachfrage steigt. Seit 1990 hat sich der Erdölpreis mehr als vervierfacht. So kann es nicht weiter gehen. Denn diese Entwicklung schadet nicht nur massiv der Umwelt. Es ist beinahe trivial, darauf hinzuweisen: Kohle, Erdöl, Erdgas und auch Uran sind endlich. Ihr Vorkommen ist begrenzt. Dies wird dazu führen, dass die Energie-Preise durch die Decke gehen, wenn wir nicht entschieden gegensteuern.

… Natürlich müssen wir auch darauf achten, dass die Energiewende nicht zu teuer wird. Wenn wir uns anschauen, wo die größten Vorkommen fossiler Energieträger lagern, wird schnell klar: Es sind vor allem politisch instabile Gegenden, von denen wir abhängig sind. Ich bin fast sicher, dass heute Abend in der Tagesschau der Russland-Ukraine-Konflikt und die Ereignisse im Irak wieder ein Thema sein werden. Regionen, von deren Rohstofflieferungen wir abhängig sind. Die EU importiert zwei Drittel ihres Erdgases und knapp 90 Prozent des Rohöls. Es ist auch ein Aspekt von Versorgungssicherheit, sich mit der Energiewende von diesen Regionen der Welt unabhängiger zu machen. Schon heute geben wir in Deutschland jährlich 83 Milliarden Euro für Erdöl und                           Erdgasimporte aus. Das ist die mögliche volkswirtschaftliche Rendite der Energiewende. Eine enorme Chance!

… Der Ausbau der Windkraft kann natürlich auch zu Konflikten mit dem Natur- und Artenschutz führen. Das Ziel der Landesregierung ist es, hier einen fairen Interessensausgleich hinzubekommen. Dazu brauchen wir intelligente Lösungen. Um das einmal an einem konkreten Beispiel zu verdeutlichen: Windstarke Gebiete, die zu bestimmten Zeiten auch als Zugkorridore für Kraniche dienen, können trotzdem als Vorrangfläche ausgewiesen werden, und zwar dann, wenn die Windenergieanlagen während des Vogelzugs zeitweilig abgeschaltet werden. Im Ergebnis bleiben die Zugkorridore erhalten, die windstarken Flächen können dennoch die meiste Zeit des Jahres genutzt werden.

… Mir ist aber noch ein anderer Moment von der Windparkeinweihung in Erinnerung. Bei dem Fest waren auch Familien mit kleinen Kindern. Die Jungs und Mädchen haben noch nie etwas von Fukushima, geschweige denn von Tschernobyl gehört. Sie standen einfach nur mit offenem Mund und großen Augen vor den Windrädern und staunten. Diese Generation wird mit dem Anblick von Windrädern groß werden. Für sie wird es das normalste der Welt sein. Und ihnen später genauso wenig auffallen, wie uns die Strommasten, wenn wir an der A5 an Biblis vorbeifahren. Natürlich verändert sich das Landschaftsbild, wenn Windräder aufgestellt werden. Ich sage allerdings zu manchen Einwänden, auch von Denkmalschützern: Wenn sich selbst Sichtbeziehungen niemals verändern dürften, dann hätte in Frankfurt niemals ein Hochhaus gebaut werden dürfen. In Offenbach gibt es eine Domstraße, die so heißt, weil man ganz früher von dort den Frankfurter Dom sehen konnte. Aus Offenbacher Sicht ist der Neubau der Europäischen Zentralbank heute sicherlich dominanter als der Dom. Windräder werden unsere Landschaft sicherlich weniger stark verändern als Hochhäuser das Stadtbild von Frankfurt verändert haben. Irgendwann, da bin ich mir sicher, werden Windräder im besten Sinne dazu gehören, normal sein. …“

Herr Geisinger, ich habe viel von Ihnen gelesen und verstanden, dass Sie gegen Windkraftanlagen sind. Auf Gegenargumente gehen Sie nicht ein, einen Vorschlag, wie Sie die erkennbaren Probleme lösen wollen, sind Sie dabei immer schuldig geblieben. Das macht eine Diskussion mit Ihnen so schwierig. Es kann sein, dass ich mich in Bezug auf den Klimawandel irre. Aber wenn Sie Unrecht und die vielen Wissenschaftler und Ingenieure Recht haben sollten, dann würde ich mir nicht verzeihen, nicht alles mir mögliche gegen den Klimawandel getan zu haben.

Wer Antworten auf die Fragen von Herrn Geisinger finden möchte, empfehle ich die Internetseite www.windbewegt.de

Christian Flöter
Fraktionsvorsitzender
Bündnis 90/DIE GRÜNEN Groß-Umstadt

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