Wertschätzung

Der Fraktionsvorsitzende einer in Groß-Umstadt nicht unbedeutenden Partei, nennen wir ihn Dr. Z., hat die Theorie der politischen Kommunikation offensichtlich zu einer Zeit gelernt, als die ersten richtigen Computerspiele auf den Markt kamen. Da gab es das Spiel „Monkey Island“: dort erlernte der Piratenanwärter Guybrush Threepwood das Piratenhandwerk, in dem er über die Insel wanderte, mit den Piraten focht und sie dabei furchtbar beleidigte. Genauso gestaltet Dr. Z. seine Redebeiträge, wenn er sich an der Opposition abarbeitet: erstmal eine gepfefferte Beleidigung. So auch in der letzten Stadtverordnetenversammlung, als er zum Resolutionsantrag der FDP „Sport als Pflichtaufgabe“ erst seinen Vorredner beleidigte und dann einen Änderungsantrag seiner Fraktion vortrug, der auch noch den Antragsteller beleidigte. Die Stadtverordnetenversammlung hatte die Größe, weder diesen als Änderungsantrag getarnten Bubenstreich noch die Resolution der FDP zu beschließen.

Ich möchte Sie, Herr Dr. Z. ermuntern, „Monkey Island“ als das falsche Lernprogramm zu erkennen, um eine Karriere als dem ganzen Volk verpflichteter und nur seinem Gewissen unterworfener Volksvertreter fortzusetzen. Versuchen Sie es doch mal mit dem Konzept der Wertschätzung. Laut Wikipedia bezeichnet „Wertschätzung die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf eine innere allgemeine Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen. Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und Anerkennung und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit.“

Bitte beachten Sie, dass alle Stadtverordneten sich für unsere Stadt in ihrer Freizeit ehrenamtlich einsetzen. Diesem Engagement kann man, ohne mit den politischen Ansichten immer übereinstimmen zu müssen, mit Wertschätzung begegnen. Das würde auch das Klima innerhalb der Stadtverordnetenversammlung positiv beeinflussen.

Und denken Sie an die Kommunalwahl 2016: vielleicht lassen sich viel mehr Bürgerinnen und Bürger dafür gewinnen, sich in der kommunalen Selbstverwaltung ehrenamtlich zu engagieren, wenn „wir alte Haudegen“ (eine Piraten-Metapher) uns vornehmen, wertschätzend miteinander umzugehen.

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