Kinderbetreuung in Groß-Umstadt – eine Nummer kleiner bitte, gleichwohl bedarfsgerecht!

Am heutigen Freitag (13.12.2013) wird sich die Stadtverordnetenversammlung erneut mit dem Thema Kinderbetreuung befassen. Hintergrund ist ein Antrag der CDU, der den geplanten 6-gruppigen Kindergarten am Geiersberg in die Trägerschaft der evangelischen Kirche stellen will. Der zweite Teil betrifft den Neubau einer bis zu 6 Gruppen umfassenden Einrichtung für Kinder unter 3 Jahren, die bei St. Wenzel entstehen soll. Der Verein Spielkreis soll die Trägerschaft übernehmen. Der Grundsatzbeschluss hierzu wurde von der Stadtverordnetenversammlung bereits gefasst.

Kurz gesagt – plant die Stadt Groß-Umstadt den Bau von zwei 6-gruppigen Kinderbetreuungseinrichtungen, die eine auf dem Gelände der Geiersbergschule, die andere auf dem Gelände von St. Wenzel! Beide Vorhaben zeichnet aus, dass die Finanzierung überhaupt nicht geklärt ist und die Baumaßnahmen allenfalls mittelfristig zur Lösung des Mangels an Betreuungsplätzen im U3- und Ü3-Bereich beitragen werden.

Die Diskussion um eine sachgerechte Lösung wurde durch 2 Umstände belastet: zum einen hat der Landkreis als Schulträger den Wunsch geäußert, die Pestalozzischule und das Gelände des Kindergartens in der Realschulstraße als Erweiterung für das Max-Planck-Gymnasium zu bekommen. Zum anderen gab es fast zu jeder Sitzung neue Zahlen aus dem Rathaus über Plätze, Bedarf, Wartelisten usw., die keine verlässliche Abschätzung von zusätzlich benötigten Betreuungsplätzen erlaubten.

Grundsatzempfehlung der GRÜNEN

1. DIE GRÜNEN schlagen deshalb vor, dass zur Bestimmung des Platzbedarfes ausschließlich die vom Landkreis (statistische Einwohnermeldedaten, KGRZ) zur Verfügung gestellten Zahlen zu Grunde gelegt werden, Wartelisten bleiben unberücksichtigt, da sie keine zuverlässige Basis haben. Das ist auf Mehrfachanmeldungen zurückzuführen. Außerdem liegen die entsprechenden Zahlen der evangelischen Kindergärten nicht oder nur unzureichend vor. Maßgeblich ist das Platzangebot im Verhältnis zur Kinderzahl! Wenn die belegten Plätze einschließlich der „hypothetischen“ Warteliste die Gesamtzahl der Kinder aber übersteigt, dann stimmt da etwas nicht, jedenfalls kann das keine Planungsgrundlage sein.

Das lässt sich an einer kleinen Rechnung verdeutlichen:

Zahlen_Kinderbetreuung

2. Die Wünsche des Landkreises auf Überlassung der Pestalozzischule werden separat behandelt. Bei der Planung der Betreuungsplätze gehen wir davon aus, dass wir einen Bestand an Betreuungsplätzen (inklusive Pestalozzischule) haben. Wenn der Landkreis die Pestalozzischule übernehmen will, muss er uns an anderer Stelle die gleiche Anzahl von Plätzen zur Verfügung stellen. Das gilt genauso für den Kindergarten in der Realschulstraße.

3. Die vorhandenen Einrichtungen in den Stadtteilen werden bei der Planung berücksichtigt, das gesamtstädtische Angebot wird optimiert mit der Zielsetzung, nur den unabweisbaren Bedarf zuzubauen.

Ermittlung des Platzbedarfes

Aus der Datengrundlage geht hervor, dass ein Überangebot von 20 bis 30 Plätzen im Ü3-Bereich vorhanden ist, während im U3-Bereich ein Bedarf von 20 bis 50 Plätzen bei einer Abdeckung von 50% besteht.

Es muss geklärt werden, ob die Reduzierung der Gruppengröße, die auf einen Beschluss der Bürgermeisterdienstversammlung des Landkreises zurückgeht, in Zeiten akuten Platzmangels aufrecht erhalten werden kann, oder ob die Gruppengröße nicht auf die durch die Betriebserlaubnis mögliche Platzzahl erhöht werden muss.

Auch von den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen in Bund und Land wird der Platzbedarf beeinflusst. Wenn auf Bundesebene das Betreuungsgeld aufrechterhalten wird – und davon ist auszugehen –, werden einzelne Eltern dies zu mindestens teilweise in Anspruch nehmen. Bei nur 10 Eltern entspricht das bereits einer U3-Gruppe.

Auch die Nachfrage an Plätzen bei den 35 Tagesmüttern in Groß-Umstadt ist in die Berechnungen mit einzubeziehen. Deshalb ist kurzfristig bis mittelfristig – bei gleichzeitig sogar einem Überangebot bei Ü3 – nur ein Bedarf von 20 zusätzlichen U3-Plätzen oder 2 Gruppen erkennbar.

Schlussfolgerungen

Der Bau einer 6-gruppigen U3-Einrichtung bei St. Wenzel ist nicht notwendig, die Finanzierung ist sowieso nicht gesichert.

Um die notwendigen U3-Plätze zu schaffen, sind kleinere Lösungen möglich zusätzlich mit dem Vorzug schneller Realisierbarkeit. Dabei kommt auch das Konzept von Frau Grabowski und Frau Wilhelms aus Klein-Umstadt wieder in die engere Wahl. Das Jugendzentrum oder das ehemalige Naturmöbelhaus können Standorte für 2 oder 3 gruppige Einrichtungen sein.

Auch die Alte Gewerbeschule ist nach wie vor für eine Kinderbetreuung geeignet. Hier wäre theoretisch die Unterbringung von 56 Kinder laut Betriebserlaubnis möglich, allemal aber 3 U3-Gruppen à 10 Kinder für den Spielkreis. Dafür ist auch das Außengelände ausreichend. Auch die zentrale Lage und die kurzfristige Verfügbarkeit sprechen dafür, der Rückbau zur Kita wird wohl in den Sommerferien machbar sein.

Gemeinsam mit dem Kreis Darmstadt-Dieburg ist über einen Ersatz der bestehenden Einrichtungen in der Pestalozzischule und in der Realschulstraße zu beraten. Dieser Ersatz muss für die Stadt kostenneutral bleiben.

DIE GRÜNEN nehmen den Antrag der CDU zum Anlass, noch einmal über die Gesamtplanung der Kinderbetreuung in Groß-Umstadt nachzudenken. Natürlich kann die Stadt auch dem Grundsatzbeschluss weiter folgen, am Bedarf vorbei planen und Geld ausgeben, das sie nicht hat.

Christian Flöter
Bündnis 90/DIE GRÜNEN Groß-Umstadt

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