Ein Leserbrief im Odenwälder Boten

Lieber Herr Dr. Fritz Roth,

zugegeben, es stehen im Odenwälder Boten schon auch mal Leserbriefe in denen das Verhältnis zwischen Sachverstand und Polemik aus dem Gleichgewicht gerät.

Das gehört leider zur öffentlichen Diskussion dazu.

Warum allerdings Sie jetzt als gewählter Volksvertreter und Akademiker da noch einen draufsetzen müssen ist mir schleierhaft, d.h. eigentlich doch wieder nicht, denn ihre Absicht ist eindeutig.

Ihr Leserbrief zum Thema Ökostrom grenzt an vorsätzliche Verdummung der Leserschaft, ist zumindest bewusste Irreführung.

Sie zitieren DIE ZEIT  mit der Aussage: „Wer grüne Elektrizität kauft, erhält den gleichen grauen Strom wie alle anderen.“

Eine richtige Aussage und die Zusammenhänge sind eigentlich ganz einfach:

Natürlich ist der Strom im Netz physikalisch an jeder Stelle gleich, d.h. von der technischen Qualität und Eigenschaft unabhängig von der Art der Erzeugung. Das weiß jeder, der in der Grundschule aufgepasst hat. Der Begriff Ökostrom bezieht sich auf die Erzeugung bzw. den Einkauf des Strom durch die Energieerzeuger bzw. –lieferanten. Und wenn ich als Endkunde Ökostrom bestelle und bezahle, beeinflusse ich aufgrund bestehender gesetzlicher Regelungen die Anteile Ökostrom im Gesamt-Einkauf meines Lieferanten und übe damit Einfluss aus auf die Öko-Gesamtbilanz in der Stromerzeugung.

Das wissen sie ganz genau Herr Dr. Roth , sie schreiben es aber nicht.

Ich nenne ihnen beispielhaft weitere Überschriften aus der von ihnen offenbar geschätzten Wochenzeitung DIE ZEIT:

„Lüge auf der Stromrechnung“

„Von wegen grüne Energie ist teuer. Die Politik ist schuld an hohen Preisen.“

(Zitat ZEIT-online, 35/2012… und meint damit die Politik der schwarz-gelben Bundesregierung, also auch ihre Parteifreunde)

„Treibt Grün den Preis?“

„Nein die aus Sonne, Wind- und Wasserkraft erzeugte Energie drückt an der Strombörse tatsächlich den Preis.“ (Zitat ZEIT-Online, 35/2012)

Es reicht also nicht DIE ZEIT zu lesen, man muss sie auch verstehen und wenn man in politischer Verantwortung steht sollte man auch im Zusammenhang zitieren.

Zum Thema Zertifizierung:

Ich will jetzt nicht das abgedroschene Lied über ihre Parteiklientel singen, von der jegliche gesetzliche Regelung als Eingriff in die persönliche Freiheit (zum Geldverdienen) empfunden wird. Aber dass ausgerechnet sie als Vertreter der FDP hier ein Regulierungsdefizit als Ursache für die Verwirrung am Öko-Strom-Markt und für Missbrauch ausmachen und damit als Ursache dafür, dass „… von Wenigen gute Geschäfte gemacht werden“ (Zitat aus ihrem Leserbrief) lässt mich nur kopfschüttelnd schmunzeln. Wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich höhere Einsicht vermuten. Leider reiht es sich aber ein in ihre verdummende und die Wirklichkeit verdrehende Polemik, denn es ist ihre Partei die bei jeder sich bietenden Gelegenheit gesetzliche Regelungen am Liebsten ersatzlos streicht und somit ordnende Strukturen verhindert.

Lieber Herr Dr. Roth ich erlebe sie immer wieder auch als sachkundigen und offenen Gesprächspartner, kehren sie bitte als gewählter Volksvertreter auf dieses Niveau zurück zum Wohle unserer Stadt und deren Bürger.

Willi Adams (Dipl.-Ing. Elektrotechnik) B90/DIE GRÜNEN

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