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Offener Brief an Karl Dörr
Lieber Karl Dörr,
in dem Doppelblatt „Umstadt im Blickpunkt“, das uns als Beilage im Odenwälder Boten von der Umstädter SPD angeboten worden ist, bezeichnest Du den Wahlsieg von Joachim Ruppert bei der Bürgermeisterwahl im letzten Jahr als „spektakulär hoch“. Ich entsinne mich gut; Joachim erhielt 85,1 % der abgegebenen Stimmen. Ich war sein Gegenkandidat und musste mich mit 14,9 % begnügen.
Das Wort „spektakulär“ wird verwendet im Sinne von
- verblüffend; das wird wohl hier nicht gemeint sein; selbst ich war nicht verblüfft, als Joachim die Wahl gewonnen hatte.
- abenteuerlich: einen Christian Wulff zum Bundespräsidenten zu wählen, mag man heute für abenteuerlich halten, einen Bürgermeister, der seine Sache ordentlich gemacht hat, wiederzuwählen sicherlich nicht.
- fantastisch: es gehört sicherlich nicht viel Fantasie dazu sich vorzustellen, dass der Kandidat der Partei, die die größte Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung stellt und auch noch von der CDU durch faktische Selbstaufgabe unterstützt wurde, auch die Bürgermeisterwahl gewinnen würde.
- bedeutend: das trifft wohl die Bedeutung, die Du Dir vorgestellt hast: 85,1 % aller Groß-Umstädter Bürgerinnen und Bürger wollen Joachim als Bürgermeister behalten, das kann wohl sicherlich als ein bedeutendes Ergebnis bezeichnet werden.
Nur hättest Du Dir die Zeit nehmen sollen, neben dem Verhältnis der auf die beiden angetretenen Kandidaten abgegeben Stimmen auch die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen anzuschauen. Tatsächlich haben von 16.832 Wahlberechtigten nur 6.955 also nur 41,3% sich überhaupt an der Wahl beteiligt. Davon haben 5.738 Joachim gewählt; diese 34,1 % klingen allerdings bei weitem nicht mehr so spektakulär wie 85,1%.
Joachim Ruppert ist am 21. August 2011 zum 2. Mal als Bürgermeister der Stadt Groß-Umstadt gewählt worden. Genau wie Du bin ich der Meinung, dass er bei der Lösung der schwierigen Probleme, die wir in den nächsten Jahren zu lösen haben, eine tragende Rolle spielen wird. Allerdings fördert es eher die Politikverdrossenheit, wenn das Wahlergebnis so maßlos verklärt wird, anstatt die Probleme zu benennen, die in einer immer größer werdenden Wahlenthaltung erkennbar werden.
Ich werde mich an den Diskussionen kritisch beteiligen und unseren Bürgermeister bei der Suche nach tragfähigen Lösungen unterstützen. Und wenn wir alle, Bürgermeister und Stadtverordneten, in transparenten Verfahren mit Bürgerbeteiligung nachvollziehbare Entscheidungen treffen, werden bei der nächsten Wahl hoffentlich wieder mehr Bürgerinnen und Bürger zur Wahl gehen, weil sie sich mit ihrer, mit unserer Stadt identifizieren können.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Flöter
Heubach
P.S.: Ich finde den Namen der SPD-Beilage „Umstadt im Blickpunkt“ unglücklich gewählt. Es war die SPD, die vor ein paar Jahren durchgesetzt hat, dass der Stadtteil, der bis dahin „Kernstadt“ hieß, in „Umstadt“ umbenannt worden ist. Ich gehe davon aus, dass die Groß-Umstädter SPD mit dem Namen ihrer Beilage und ihrem Motto „Wir in Umstadt“ nicht signalisieren will, dass sie sich nur für die Kernstadt engagieren will.
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