Archive für 23.2.2011

Im Zeichen des Windrades

Der Klimawandel ist nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher und zunehmen politischer Diskussionen, auch die Medien befassen sich immer intensiver mit dem Thema.  Was steht uns bevor, wenn die jährliche Durchschnittstemperatur um 2, 3 oder mehr Grad ansteigt? Wie wird unsere Energieversorgung in 20 Jahren aussehen?

Die Hauptursache des Klimawandels liegt in der Freisetzung von CO2, das durch die Verbrennung fossiler Rohstoffe (Kohle, Erdöl und Erdgas) und die anhaltende gigantische Brandrodung der tropischen Urwälder entsteht. Von Anbeginn seiner Geschichte bis zum Beginn der Industrialisierung lebte die Menschheit im „1. Solaren Zeitalter“. Seither leben wir im „Zeitalter der fossilen Energien“ und dürften bald den Höhepunkt der Förderung von Öl und Gas erreicht haben. Spätestens wenn alle fossilen Lagerstätten erschöpft sind, wird die Menschheit in das „2. Solare Zeitalter“ eintreten.

Unsere Zivilisation basiert auf der Verfügbarkeit von billigem Öl. Bei einem Rückgang der Erdölförderung werden die Preise für Heizung, Benzin, aber auch von vielen Produkten zum Teil kräftig steigen. Die Energiekosten werden einen immer größeren Teil des Einkommens verzehren. Menschen mit geringerem Einkommen werden davon überproportional betroffen sein. Deshalb ist Klimaschutzpolitik auch aktive Sozialpolitik.

Aber der Verbrauch von Öl  hat auch einen volkswirtschaftlichen Aspekt. Alljährlich bezahlen jede Bürgerin und jeder Bürger ca. 1.800 € für fossile Energie an das Ausland. Das sind in Groß-Umstadt ca. 36 Millionen Euro – sie könnten zum großen Teil durch Einsatz regenerativer Energien zur Wertschöpfung in der Region beitragen.

Die Stadt muss für ihre Bürgerinnen und Bürger Vorbild in Sachen Klimaschutz sein. Auf dem Weg zu einer CO2-neutralen Kommune  werden Energieeinsparung, eine effiziente Verwendung und der Einsatz erneuerbarer Energien zum Grundsatz jeder Entscheidung gemacht. Unsere Vorstellung für eine aktive Klimapolitik in Groß-Umstadt lesen sie in unserem Wahlprogramm, das sie im Internet unter www.gruene-umstadt.de herunterladen können.

Die neu errichteten Windräder auf dem Binselberg sind immer wieder Gegenstand von Leserbriefen in dieser Zeitung. Ihnen ist die ablehnende Haltung gemeinsam, sie unterscheiden sich aber durch die angeführten Gründe.  Dabei sind alle sachlichen Gründe vom Regierungspräsidium geprüft und abgewogen worden. Das Ergebnis hat auch einer gerichtlichen Überprüfung standgehalten. Die polemischeren Argumente werfen den Betreibern vor, auf Grundlage geltender Gesetze finanzielle Gewinne erwirtschaften zu wollen. (Das ist besonders lustig wenn es von der Umstädter FDP vorgetragen wird.) Wir können darüber gerne diskutieren, aber es bleibt erst mal fest zu halten, dass das ein zentraler Punkt unserer Gesellschaftsordnung ist.

Natürlich ist die Liste der noch zu lösenden Probleme lang. Aber hat es nicht schon immer die deutsche Ingenieurskunst ausgezeichnet, für technisch schwierige oder gar als unlösbar gehaltene Probleme Lösungen zu erfinden?  Denken Sie nur einmal an den Dieselmotor.

Was bleibt ist eine Geschmacksfrage: Empfinde ich die Windräder als eine Störung in der Landschaft oder nicht. Dabei haben wir uns an vieles gewöhnt: Hochspannungsleitung wie Zäune von Horizont zu Horizont, breite, mehrspurige Straßen mit riesigen Brücken, die die Landschaft zerschneiden, oder gar der ganze Landstriche verwüstende Braunkohletagebau.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Zukunftsvisionen fast immer mit Bildern illustriert werden, auf denen Windräder am Horizont zu sehen sind? Wenn ich von Darmstadt kommend die Windräder am Horizont sehe, dann weiß ich, ich komme wieder nach Hause in eine Stadt, die bereits in ihre eigene Zukunftsvision aufgebrochen ist.

Christian Flöter

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