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Archive für April 2010
Die Lüge vom Atom-Müll-End-Lager
21.4.2010 von Christian Flöter.
Es gibt viele gute Gründe, gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke zu sein. Der atomare Abfall, der bei dem Betrieb der Atomkraftwerke anfällt und auf eine unvorstellbar lange Zeit vor der natürlichen Umwelt sicher abgeschlossen verwahrt werden muss, gehört zu den wichtigsten Gründen. Bis heute gibt es weltweit kein Konzept für eine sichere Endlagerung.
Wie lange?
Bei der atomaren Energieerzeugung entsteht aus dem eingesetzten Uran durch Kettenreaktion eine Vielzahl radioaktiver Elemente, die unterschiedlich lang und intensiv strahlen. Das Maß für die Dauer der Strahlung wird als Halbwertszeit bezeichnet. Das ist die Zeitspanne, nach der die Hälfte der ursprünglich vorhandenen Menge zerfallen ist. So beträgt die Halbwertszeit des Isotops Jod-131 nur 8 Tage, die von Cäsium-137 immerhin 30 Jahre und die von Plutonium-239 über 24.110 Jahre! Wer sich an die Zeit vor 24 Jahren zurückerinnert, wird sich vielleicht an die genannten Isotope als Bestandteile der radioaktiven Wolke nach der Tschernobyl-Explosion erinnern. Das sind Isotope, die in einem Atomkraftwerk beim regulären Betrieb entstehen.
Nach Ablauf von 10 Halbwertszeiten ist das ursprünglich vorhandene Material bis auf ca. 1 % zerfallen. Für Plutonium-239 bedeutet das ein Zeitraum von über 240.000 Jahren, das ist länger als die bisherige Geschichte des modernen Menschen. Von der Wissenschaft weitgehend akzeptiert ist heute die auf Fossilfunden basierende Out-of-Africa-Theorie, der zufolge der archaische Homo sapiens in der Zeitspanne zwischen 200.000 und 100.000 Jahren vor heute in Afrika entstand und die Ausbreitung des „modernen“ Menschen vor etwa 60.000 bis 70.000 Jahren – über den Nahen Osten hinaus, der damals ökologisch zu Afrika gehörte – in die anderen Regionen der Erde begann (Quelle: wikipedia, Stammesgeschichte des Menschen).
Um ein Atommüllendlager für solche Zeiträume sicher von der Umwelt abzuschließen, bedarf es einer Kennzeichnung, die auch nach tausenden von Jahren noch verstanden wird. Wir können aber heute noch nicht mal mehr die babylonische Keilschrift entziffern und die ist gerade einmal 5.000 Jahre alt. In diesem Zeitraum sind Hochkulturen entstanden und wieder verschwunden.
Wohin?
Kaum hat der schwarze Bundesumweltminister Norbert Röttgen das Ende des Gorleben-Moratoriums verkündet und die alleinige Erkundung des Salzstocks als Endlager angekündigt, werden von Greenpeace brisante Dokumente zur Entscheidung für Gorleben öffentlich gemacht.
Die Behörden-Akten aus der Mitte der 70er-Jahre belegen, dass von den Geologen der Standort Gorleben nie vorgesehen war. In den Dokumenten zeige sich, dass Wassereinlagerungen verschwiegen wurden, die zum Ausschluss des Standortes hätten führen müssen. Durch Intervention des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Albrecht wurde Gorleben handschriftlich dem Gutachten der Geologen hinzugefügt.
Trotzdem besteht der Bundesumweltminister auf Gorleben als einzigem Standort. Denn ohne diesen „Entsorgungsnachweis“ hätte eine Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke vor Gericht vermutlich keine Chance.
Proliferation?
Unter Proliferation im Rüstungsbereich wird die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen insbesondere von Atomwaffen verstanden. Präsident Obama hatte erst kürzlich zu einer Konferenz nach Washington geladen, um die Verbreitung von Atomwaffen einzuschränken. Dabei wurde auch das Problem einer „schmutzigen Bombe“ diskutiert. Danach benötigen Terroristen nicht unmittelbar eine Atombombe, es reicht auch, radioaktive Abfälle mit konventionellem Sprengstoff zu „verteilen“, um große Flächen unbewohnbar zu machen. „Friedliche“ Atomkraftwerke können mit ihren strahlenden Abfällen und der anschließenden „Entsorgung“-Maschinerie die Rohstoffe dafür liefern. Jeden Tag, den ein Atomkraftwerk weiterbetrieben wird, vergrößert dieses Potential und damit das Risiko, das radioaktives Material in falsche Hände gerät.
Fazit
Die Wissenschaftler Christine Weizsäcker und Ernst Ulrich von Weizsäcker haben 1977 die Theorie der Fehlerfreundlichkeit formuliert: „Fehlerfreundlichkeit bedeutet zunächst einmal eine besonders intensive Hinwendung zu und Beschäftigung mit Abweichungen vom erwarteten Lauf der Dinge. Dies ist eine in der belebten Natur überall anzutreffende Art des Umgangs mit der Wirklichkeit und ihren angenehmen und unangenehmen Überraschungen.“ Für die Risiken einer modernen Gesellschaft ist Fehlerfreundlichkeit eine notwendige Voraussetzung. Nur in fehlerfreundlichen Systemen führen die Auswirkungen risikofreudigen Entscheidens nicht zu unkalkulierbaren Risiken. Dies gilt besonders für Technologien und Tätigkeiten mit besonderen Risiken, zum Beispiel bei großtechnologischen Anlagen und im Arbeitsschutz. In dieser Konsequenz muss Technik so beschaffen sein, dass selbst bei der unsinnigsten oder bösartigsten Fehlbedienung, die Folgen beherrschbar bleiben müssen. Ein explodierendes Gaskraftwerk wie vor kurzem in den USA ist tragisch, aber lokal begrenzt und wieder reparierbar. Die Explosion des Atomreaktors in Tschernobyl 1986 hat die nördliche Halbkugel der Erde auf lange Zeit radioaktiv kontaminiert, die gesundheitlichen Folgen für Millionen von Menschen sind unüberschaubar.
Es darf keine Laufzeitverlängerung und damit keinen Ausstieg aus dem Atomausstieg geben. Demonstrieren Sie mit am Samstag, den 24. April 2010, helfen Sie mit, das Atomkraftwerk Biblis zu umzingeln und so deutlich zu machen, dass die Menschen in unserer Region eine Verlängerung dieser Risikotechnologie nicht wollen.
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