Archive für 26.10.2009

Kohlenstoff-Gerechtigkeit

Nachdem die Bundestagswahl vorbei, die neue Koalition geschlossen ist, wird es Zeit, sich wieder den wichtigen Themen zuzuwenden. Und dabei steht vor allem ein Thema im Vordergrund, dass uns buchstäblich auf den Nägeln brennt: der Klimawandel.

Auf der Bundesversammlung von Bündnis 90/Die Grünen am 24.10.2009 in Rostock hat Prof. Dr. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Institus für Entwicklungspolitik (DIE), in einem Gastbeitrag den Begriff der Kohlenstoff-Gerechtigkeit (oder auch Klima-Gerechtigkeit) vorgestellt. Unter der Annahme, dass die Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs bis zum Jahr 2050 auf 2 Grad Celsius politischer Konsens ist, haben verschiedene Institute ausgerechnet, wieviel Tonnen CO2 weltweit aus fossilem Kohlenstoff (Kohle, Erdöl, Erdgas) noch in die Atmospähre abgegeben werden darf.

Die bevorstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen droht unter anderem an dem Streit zu scheitern, wie diese Restmenge auf die verschiedenen Länder verteilt werden soll, oder umgekehrt, welches Land welche Menge an CO2 einzusparen hat.

Das DIE schlägt für die Verteilung einen einfachen Maßstab vor: die Bevölkerung. Die Restmenge CO2 wird pro Kopf der Bevölkerung aufgeteilt. Daraus ergeben sich die Restmengen für jedes einzelne Land. Wenn wir die CO2-Emissionen auf dem Stand des Jahres 2009 halten, reichen die Mengen noch rund 24 Jahre weltweit, für Europa sind es eher 12 , für Deutschland 10 und für die USA nur 6 Jahre.

Das zeigt, wie groß der Handlungsbedarf tatsächlich ist; und auch die neue Bundesregierung kennt dieses Problem genau. Auf einem Symposium des Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam im Oktober 2007 beschwor Angela Merkel eine neue “Kohlenstoff-Gerechtigkeit” und wiederholte ihren Vorschlag, dass jeder Mensch auf der Welt nur noch 2 Tonnen CO2-Ausstoß verursachen dürfe. Der damalige Umweltminister Sigmar Gabriel kam zu der Erkenntnis, dass man Emissionsrechte nicht länger verschenken dürfe (taz, 27.10.2007). Was daraus geworden ist, haben wir erlebt, das irgend etwas dieser Erkenntnis Eingang in den Koalitionsvertrag von Union und FDP gefunden hätte, ist nicht erkennbar.

Trotzdem dürfen wir jetzt nicht resigniert die Hände in den Schoß legen und die nächsten 4 Jahre als klimapolitische Eiszeit überwintern. Wir müssen die Frage diskutieren, wie eine klimaverträgliche Gesellschaft aussehen kann, welche Schritte wir dafür gehen müssen und welche Vorteile eine solche Gesellschaft haben wird. Dafür müssen wir auch in unseren Kommunen werben und das zu einem Schwerpunktthema für die Kommunalwahl im Jahr 2011 machen.

Wer sich zum Thema Klima-Gerechtigkeit/Kohlenstoff-Gerechtigkeit weiter informieren will, findet im Internet weitere Informationen:

http://www.klima-der-gerechtigkeit.de/kohlenstoff-gerechtigkeit/
http://www.klimagerechtigkeit.de/
http://www.bund.net/index.php?id=1368
http://www.klima-allianz.at/

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