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Archive für September 2009
100% Erneuerbare! Eine kontroverse Diskussionsveranstaltung
13.9.2009 von Christian Flöter.
Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 ist das Thema Klimawandel und damit verbunden die Frage, wie der Einsatz erneuerbarer Energien ausgebaut werden kann, eine der wichtigsten Punkte im grünen Wahlprogramm. Zu diesem Thema hatten wir den Bundestagsabgeordneten Hans Josef Fell eingeladen, der den Entwurf für das erneuerbare Energiengesetz (EEG) geschrieben hat.
Dabei wurde das Thema Windenergie erwartungsgemäß besonders von den ausdrücklich eingeladenen Raibacher Bürgerinnen und Bürgern in den Mittelpunkt der Diskussion gestellt. Die immer wieder vorgetragenen fachlichen Bedenken wie Vogel- oder Fledermausschlag, Infraschall, Abstand zur Siedlungsgrenze usw. wurden bereits im Genehmigungsverfahren durch das Regierungspräsidium erörtert und gegebenenfalls mit entsprechenden Auflagen in der Genehmigung berücksichtigt.
Die verbleibenden Einwände, die Landschaftszerstörung (Meueler, OB 07.08.2009) beziehungsweise den Sinn einer Förderung erneuerbarer Energien (Frenzel, OB 11.09.2009) betreffend, hätten anschließenden diskutiert werden können. Die Herren Frenzel und Meueler, von mit persönlich eingeladen, wollten der Einladung nicht folgen, um den grünen Wahlkampf nicht „aufzupeppen“.
Sie hätten sich dabei mit bedenkenswerten Argumenten auseinandersetzen können. In seinem Vortrag zeigte Hans Josef Fell ein Bild aus dem Braunkohletagebau in der Lausitz, wo eine Fläche von über 100 Quadratkilometern (!) von riesigen Baggern abgegraben wird. Mehrere Dörfer wurden abgeräumt, die Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Betrachten wir diese Landschaftszerstörung – nein, Heimatzerstörung – dann relativieren sich die Landschafts“beeinträchtigung“ durch 2 neue Windkraftanlagen auf dem Binselberg doch erheblich. Deshalb reagierte ein Raibacher Bürger auch so empfindlich, als er auf seinen Vorwurf der Landschaftszerstörung von Hans Josef Fell gefragt wurde, ob er noch Braunkohlestrom beziehe.
Umwelt und Ökologie, Klimaschutz und Energieverbrauch stehen in so komplexen Zusammenhängen, dass die Frage ob auf dem Binselberg gebaut werden kann, nicht auf die dafür notwendige Waldrodung reduziert werden kann.
Herr Frenzel hat in seinem Leserbrief zum wiederholten Male die Subventionen für erneuerbare Energien angegriffen. Hätte er sich die Mühe gemacht, im Internet einmal dieser Problematik nach zu gehen, wäre er bei Wikipedia auf den Merrit-Order-Effekt gestoßen. Dieser bewirkt, dass durch die erzwungene Einspeisung von Windstrom eine Kosteneinsparung bei der Stromerzeugung durch vermiedene Brennstoffkosten erreicht wird. Die Kosteneinsparungen über den Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien lagen in Deutschland nach dem Erfahrungsbericht des Bundesministeriums für Umwelt bereits im Jahre 2006 bei 5,0 Mrd. € und damit über den Mehrkosten von 3,3 Mrd. € gegenüber konventioneller Stromerzeugung. Aber dieser Blick auf die Windräder passt nicht in das Weltbild des Herrn Frenzel (wie war das mit dem philosophischen Schweigen?).
Der gewählte Titel unserer Veranstaltung stieß bei der FDP (OB 28.08.2009) und Herrn Geißlinger (OB 25.08.2009) auf Unverständnis und Ablehnung. Die FDP entdeckte „grüne Heilsgewissheit“ und Herr Geislinger verstieg sich in der Diskussion sogar dazu, beinah „faschistoide Tendenzen“ zu entdecken. Dabei hätte ein Blick in ein Physikbuch geholfen: die Welt ist nicht unendlich, und folglich gibt es auch nur eine endliche Menge an Kohle, Öl, Gas und Uran. Spätestens wenn alles alle ist, haben wir eine 100% Versorgung mit erneuerbaren Energien. Dabei strahlt die Sonne Tag für Tag ein Vieltausendfaches an Energie auf die Erde ein, als von der Menschheit verwendet wird.
Die Frage ist nicht ob wir auf eine 100% Versorgung mit erneuerbaren Energien umschalten, sondern wann, und wie wir den Übergang gestalten.
Das Solarzeitalter hat längst begonnen – aber es braucht unser aller Unterstützung!
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