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Archive für 11.8.2009
Zehn Vorurteile über Atomenergie (vierter Teil)
11.8.2009 von Christian Flöter.
Achtens: Atomkraftwerke sorgen für niedrige Strompreise
Die Strompreise steigen seit Jahren – trotz Atomstrom. Ein entscheidender Grund dafür ist die Marktmacht der vier großen Energiekonzerne, die das Stromangebot an der Leipziger Strombörse dominieren. Von 2002 bis 2008 erwirtschafteten EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall fast 100 Milliarden Euro Gewinn, davon allein 14 Milliarden im Jahr 2008. Im gleichen Zeitraum erhöhten sie die Strompreise um weit über 50 Prozent.
Atomkraftwerke zementieren die Marktmacht der Konzerne und sichern ihnen Milliardengewinne. Dagegen wirken die Erneuerbaren Energien schon heute preisdämpfend. Dank Windkraft sparen die Verbraucher jedes Jahr mehrere Milliarden Euro (Merit-Order-Effekt). Die Kosteneinsparungen über den Merit-Order-Effekt der erneuerbaren Energien lagen in Deutschland nach dem Erfahrungsbericht des Bundesministeriums für Umwelt im Jahre 2006 bei 5,0 Mrd. € und damit über den Mehrkosten von 3,3 Mrd. € gegenüber konventioneller Stromerzeugung. Zitat: “Wenn man den Marktwert der erneuerbaren Energien und das in dieser Studie bestimmte Volumen des Merit-Order-Effektes gemeinsam betrachtet, kommt es zu einer erheblichen Reduktion der durch das Erneuerbaren-Energien-Gesetz verursachten Kosten. Für das Jahr 2006 ist Summe aus Marktwert und Merit-Order-Effekt sogar höher als die gesamte EEG-Vergütungssumme.“
Diese Kosteneinsparungen der Stromversorger werden aber nicht an die Endkunden weitergegeben, sondern erhöhen die Gewinne der Stromkonzerne.
Fielen die derzeitigen enormen Vergünstigungen für Atomkraft weg – etwa durch eine realistische Deckungssumme bei der Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke, eine Besteuerung der Rücklagen, eine Brennstoffsteuer –, wäre Atomstrom unbezahlbar: Die Basler Prognos AG errechnete schon 1992 einen realistischen Preis von rund 2 Euro pro Kilowattstunde.
Neuntens: Atomkraftwerke schaffen Arbeitsplätze
Die Erneuerbaren Energien sind der größte Jobmotor im Land. 280.000 zukunftssichere, nachhaltige Arbeitsplätze haben sie binnen weniger Jahre geschaffen, davon 30.000 allein im letzten Jahr. Die Atomindustrie insgesamt beschäftigt gerade einmal 35.000 Menschen.
Selbst in der aktuellen Wirtschaftskrise steigt die Zahl der offenen Stellen in der Erneuerbaren-Energien-Branche weiter an. Prognosen rechnen mit 220.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen bis 2020, sofern Ökostrom im Stromnetz weiterhin Vorrang genießt.
Längere Laufzeiten für Atomkraftwerke oder gar eine Abkehr vom Atomausstieg gefährden dagegen die Energiewende und damit Hunderttausende von Jobs.
Atomenergie ist kapitalintensiv – erneuerbare Energien sind arbeits(platz)intensiv.
Zehntens: Wir brauchen Atomkraftwerke bis die erneuerbaren Energien so weit sind
Jüngst haben die Stromkonzerne E.ON und Électricité de France (EdF) der britischen Regierung gedroht: Sie würden nicht in neue Atomkraftwerke investieren, wenn London die Erneuerbaren Energien fördere. Denn teure Atomkraftwerke rechnen sich nur, wenn sie rund um die Uhr ihren Strom absetzen können.
Zur Kombination mit Erneuerbaren Energien eignen sich nur Kraftwerke, die sich schnell und leicht regeln lassen. Denn sie sollen den umweltfreundlichen Strom aus Sonne, Wind und Wasser ja nur ergänzen. Atomkraftwerke aber sind, technisch bedingt, extrem unflexibel.
Atomkraft und Erneuerbare Energien sind daher niemals ein Team, sondern immer Gegenspieler: Wer Atomkraftwerke baut, behindert den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Oder eben umgekehrt.
Schon heute decken Erneuerbare Energien mehr als ein Sechstel des Weltenergieverbrauchs. Öl, Gas, Kohle& und Uran gehen zur Neige, die Erderwärmung nimmt zu. Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie wird es geben, solange es die Erde gibt. Die Umstellung unserer Energieversorgung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist möglich. Es ist auch die einzige Chance, die uns bleibt.
Wenn Ihnen das alles auch ungereimt vorkommt und Sie der Meinung sind, dass an dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie festgehalten werden soll, können Sie etwas tun: Unter dem Motto „Mal richtig abschalten“ rufen Initiativen, Umweltverbände und auch Bündnis 90/Die Grünen zu einer Demonstration in Berlin am 5. September 2009 auf. Nähere Informationen finden Sie unter www.ausgestrahlt.de. Weiter Informationen über die Probleme der Atomkraft finde Sie sehr gut zusammengetragen und mit weiterführenden Links versehen unter http://100-gute-gruende.de .
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