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Archive für 26.7.2009
Bitte die Bürgerinnen und Bürger nicht für Dumm verkaufen!
26.7.2009 von Christian Flöter.
Die Umstädter FDP will Bürger nicht für dumm verkaufen und erklärt, “dass der Bau von Windrädern über dem Raibacher Tal kein Gramm CO2 einspart.” Sie beruft sich dabei auf ein Artikel der in Spiegel-online erschienen ist. Wer sich die Mühe macht, diesen Artikel zu lesen, der wird feststellen, dass unter einer reißerischen Überschrift fröhlich Äpfel mit Birnen verglichen werden.
Rein physikalisch wird bei der Erzeugung von 1 kWh Strom in von einer Windkraftanlage deutlich weniger CO2 freigesetzt als bei einem Kohlekraftwerk. Bezieht man die Herstellung der Kraftwerke, ihren Betrieb und ihre anschließene Entsorgung mit ein so “erzeugt” ein Windkraftwerk zwischen 8 und 57 g CO2 pro Kilowattstunde, eine Kohlekraftwerk dagegen zwischen 750 und 1280 g/kWh. Die Differenzen beruht auf unterschiedlichen Berechnungsarten; eine Zusammenfassung finden Sie im Internet unter http://www.buerger-fuer-technik.de/body_co2-bilanz_stromerzeugungsanla.html.
Wie kommt der Spiegel zu seiner merkwürdigen Behauptung? Er betrachtet den Handel mit CO2-Verschmutzungszertifikaten europaweit und kommt zu dem Schluss, dass das von Windkraftanlagen hier eingesparte CO2 (sie sparen also doch!) in einem anderen Land der europäischen Union durch Kohlekraftwerke zusätzlich herausgeblasen werden kann.
Das Problem an dieser Argumentation ist, dass man Windkraftwerken etwas zuschreibt, was man eigentlich der Politik zuschreiben muss. Nicht der Windzubau ist das Problem, sondern das zu lasche CO2 Ziel, dass der Spiegel einfach als gottgegeben sieht. Bei ehrgeizigen CO2 Zielen, die die Klimaerwärmung auf 2° begrenzen würden, wäre die Windförderung überflüssig. Folglich ist die Kritik am CO2-Handel zu üben, der eine ineffiziente Förderung von Wind notwendig macht, während Wind eine relativ günstige Möglichkeit ist den Klimawandel zu bekämpfen. Und natürlich: Aufgrund der technisch-naturwissenschaftlichen Gegebenheiten spart Wind CO2 ein. Alles andere verkauft die Bürgerinnen und Bürger für dumm!
Die FDP auf Bundeseben ist da schon weiter als ihre Umstädter Mitglieder. In ihrem Bundestagswahlprogramm schreibt sie: “Der deutliche Ausbau erneuerbarer Energien und die Förderung von Energiespeichertechniken leisten einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Versorgungssicherheit Deutschlands. Er bietet zugleich die Grundlage für die weitere technologische Entwicklung und die Technologieführerschaft deutscher Unternehmen in diesem Sektor.” und weiter: “Um erneuerbare Energie auch aus den Quellen Wind und Sonne zu einer jederzeit verfügbar sicheren Energiequelle zu machen, brauchen wir völlig neue Formen der Energiespeicherung, zum Beispiel Druckluftspeicher oder Fahrzeuge mit Elektroantrieb.” Die Tatsache, dass mit finanziellen Investitionen in Windkraft- und Solaranlagen auch Geld verdient werden kann, gilt bei der FDP außerhalb Groß-Umstadts nicht als anrüchig.
Vielleicht lesen die Umstädter FDP-Verantwortlichen mal ihr eigenes Wahlprogramm und hören auf, die Bürgerinnen und Bürger aus naheliegenden populistischen Gründen für Dumm verkaufen zu wollen. Bei dem von allen Parteien im Bundestag getragenen Ziel, den Temperaturanstieg durch den Klimawandel auf 2 Grad zu begrenzen, sind noch viele Probleme zu lösen. Dazu gehört auch die unsinnige Ausgestaltung des CO2-Handels. Da das Problem im Ansatz erkannt ist, engagieren Sie sich in Ihrer Partei doch für einen deutlichen Preisanstieg für die Zertifikate, damit die Stromwirtschaft schneller auf erneuerbare Energien wie Sonne, Wind und Biomasse umgestellt wird.
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